„Blauer Jüd“ - Fastnachtsmaske und Montur

Künstler unbekannt
Weisbach/Rhön
1920er Jahre (Maske)
Holz, Leinentuch, Schnur
H 23 x B 16 x T 8,5 cm (Maske), H 170 cm (Figur)
Deutsches Fastnachtmuseum Kitzingen

Der in der Rhöner Fastnacht sein närrisches Wesen treibende „Blaue Jüd“ ist nicht antisemitisch begründet, sondern geht auf das Theaterstück „Der Auszug der Kinder Israels“ zurück. Mit der Zeit sind die Theaterfiguren der „Jüde“ wahrscheinlich in die Fastnacht übernommen worden. Die Hüte sind mit Buchs und bunten Bändern geschmückt, die Tracht in den bayerischen Farben, blau und weiß, gehalten.

Der Brauch des Maskentragens in der Rhön entstand in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die Rhön gilt als das nördlichste Gebiet Deutschlands, in dem zur Fastnacht Holzmasken getragen werden. In der Regel schnitzten Laien die Verkleidung. Zur Verwendung kam gut abgelagertes Holz von Linde, Erle, Espe und Eiche. Bei der Bemalung dominieren grellweiß, rot und schwarz.

Im Museum Stadt Miltenberg ist die Kostümierung inmitten der Judaica-Sammlung zu sehen. Die Ausstellung erzählt von der jüdischen Gemeinde Miltenbergs und vom Leben jüdischer Bürgerinnen und Bürger in einer bayerischen (ehemals mainzischen) Kleinstadt.


Foto: Lora-Dana Häger