Blaudruck-Mustertuch und Model
Blaudruckerei Philipp Gegenwarth
Kreuzwertheim
1850/1870
Baumwolle, Holz, Messing
Tuch H 200 x B 143 cm; Model max. H 20 x B 20 cm
Spessartmuseum Lohr am Main

Für das „Blau machen“ im wörtlichen Sinne waren in vergangenen Zeiten die Blaufärber zuständig, darunter auch die „Dampffärberei, Druckerei und
chemische Wäscherei“ von Philipp Gegenwarth (1866 – 1936) in Kreuzwertheim. Das Muster wurde mit Hilfe von Modeln aufgetragen. Diese Druckvorlagen konnten geschnitzt sein oder aus in Holz geschlagenen Messingstiften und -bändern bestehen. „Rapportstifte“ hinterließen eine Markierung im Stoff, um den Model lückenlos wieder ansetzen zu können.
Der ungefärbte Stoff wurde mit einer klebrigen Masse, dem Papp, bedruckt. An diesen Stellen sollte er seine ursprüngliche Farbe behalten, während der Rest blau gefärbt wurde. Die Farbstoffe hierfür wurden aus den Pflanzen Färberwaid oder Indigo gewonnen. Die blaue Farbe entstand allerdings erst beim Trocknen. Beliebte, aber unbelegte, Herleitungen der Redewendung „blau machen“ beziehen sich ebenfalls auf die Blaufärberei.
Der (ehemals) blaue Stoff des Fremdgängers fügt sich sehr gut in die Räume des Museums Johanniskapelle ein, denn man findet mehrere Darstellungen, bei denen blauer Stoff Teil der Ikonographie ist.
Foto: Spessartmuseum Lohr am Main