Zweihänder oder Bidenhänder

16. Jahrhundert
Metall, Holz
1,75 m, Klinge 1,20 m
Barockscheune Volkach

War das mächtige Schwert Richtschwert bei öffentlichen Hinrichtungen am Volkacher Galgenberg oder Gerichtsschwert in einer fränkischen Kleinstadt? Nein! Es ist ein „Bidenhänder“, den man im 16. Jhdt. europaweit als neue Angriffswaffe benutzte. Anders als die Einhandwaffen im Mittelalter trug man ihn wegen seiner Länge über der Schulter. Ein Krieger konnte mit einem zweihändig geführten kraftvollen Rundumschlag bis zu vier Feinden den Kopf einschlagen. Einen Bidenhänder zu führen, erforderte Geschick, Kraft und den Mut, immer in vorderster Front die Grenze ins feindliche Lager zu überschreiten und sich selbst dabei stets im Grenzbereich zwischen Leben und Tod zu bewegen. Zwar wurden diese Söldner sehr gut entlohnt, aber sie kämpften auch im „verlorenen Haufen“. 

In Münnerstadt steht das eindrucksvolle Schwert neben bescheidenen Waffen, mit denen aufständische Bauernhaufen 1525 versuchten, die Standesgrenzen zu überwinden. Dass sie den kampferprobten Söldnern unterlagen, ist angesichts dieser ungleichen Waffen nicht verwunderlich. Warum fasziniert diese martialische Waffe aus der Renaissancezeit heute Zeichner in der ganzen Welt? Oft grotesk überzeichnet, taucht  sie in Comics, Mangas und Animes auf. – Wo ist hier die Grenze zwischen Kunst und Gewaltverherrlichung? 

Wer hätte je gedacht, dass man 2022 in Europa wieder brutal Grenzen überschreiten und zu Waffen greifen würde?