Zollschein Bamberg und Weegezoll

9. Februar 1788 und Juni 1788
Papier, bedruckt und beschrieben
4,5 x 10 cm
Jüdisches Kulturmuseum Veitshöchheim

Das heutige Franken bestand lange aus zahllosen geistlichen und weltliche Territorien, Fürstentümern und Ritterschaften, die in ihren Ländern ein strikt kontrolliertes Zollsystem schufen, das alle betroffen hat, die hier unterwegs waren. 

Jüdische Reisende und Händler bekamen dies deutlich zu spüren, da sie in der Regel mehr als die nichtjüdischen Reisenden zahlen mussten. Zum mittelalterlichen Geleitgeld kam der Leibzoll dazu, den alle Juden beim Grenzübertritt für ihren Körper zu zahlen hatten. Dazu kamen weitere Abgaben, die von allen erhoben wurden wie etwa Brücken- oder Fährgelder und Warenzölle. Wiederum nur für Juden gab es in manchen Orten einen Brautzoll oder den Totenzoll bzw. das Judenbegräbnisgeld. 

So verwirrend die Situation der Kleinstaaten war, so verwirrend waren auch die Zolltarife. Die Willkür gegenüber jüdischen Reisenden war deutlich. Wer  als Jude zum Handeln oder um einen Toten zu begraben, seinen Heimatort verlassen musste, war oft gezwungen, große Summen zu zahlen.

Nach der Säkularisation wurden die fränkischen Kleinstaaten im Zuge einer staatlichen Neuordnung aufgelöst und gingen größtenteils über an das neu gegründete Königreich Bayern. Dabei wurde 1807 auch der Leibzoll und andere Abgaben aufgehoben. 

Die beiden hier ausgestellten Zollscheine wurden in der Genisa (Textablage) der Veitshöchheimer Synagoge gefunden. Sie wurden wohl von Veitshöchheimer Juden benutzt, der eine im Raum Bamberg, der Zahlort des anderen Zollscheins ist nicht bekannt. 

Im Museum Stadt Miltenberg in der Abteilung Hausgeschichte(n) verweisen die Scheine auf die ehemalige und zeitweise Funktion des  Renaissance-Fachwerkhauses als mainzische Amtskellerei.