Schlafzimmerbild
„Ein Sommernachtstraum“

Motiv nach Hans Zatzka (1859-1945)
Druck: Kunstanstalten May AG (KAMAG), Dresden
Ende 1920er Jahre
Papier
54,5 x 115 x 2,5 cm
Fränkisches Freilandmuseum Fladungen

Neue Drucktechniken seit den 1860er Jahren ermöglichten die Massenproduktion von sogenannten „Öldruckbildern“. Der preiswerte Wandschmuck imitierte kostbare Gemälde mit opulenten Rahmen und erreichte rasch eine enorme Verbreitung. 

Hans Zatzka (1859-1945) gilt als Schöpfer des „Schlafzimmerbildes“. Der Künstler entwarf unzählige Motive, darunter Reigen-, Traum- und Kahnbilder.  Die Kunstanstalten May AG (KAMAG), Dresden brachten in den 1920er Jahren neuartige große Drucke im Querformat – beworben als  „Handtuchformate“ – auf den Markt. Sie schmückten fortan die Wand über den Kopfenden der Ehebetten. 

„Ein Sommernachtraum“ zeigt eine Szene im Mondschein mit Laterne, Seerosen, Fischen und einem Schwan. In einem Kahn treibt eine schlafende junge Frau in weißem Kleid. Neun laszive Elfen steuern und begleiten das Boot, das als Symbol für die Lebensreise des Menschen stehen kann. Das überzeichnete Bild offenbart mehrere Ebenen an Grenzüberschreitungen: Original und Imitation, Traum und Realität, Prüderie und Erotik, sowie den vermeintlich „guten Geschmack“. Denn Schlafzimmerbilder galten schon zeitgenössisch als Kitsch. 

Im Deutschen Fastnachtmuseum ist es die Prinzessin Bonna, die den ungewöhnlichen Gast präsentiert. Prinzessinnen, Zauberinnen und Feen zählen zu den beliebtesten Kostümen – gerade zur Karnevalszeit darf in andere Rollen geschlüpft und auch dem Kitsch gefrönt werden.

Foto: Gordian Engel