Römische Amphore

ca. 160-260 n. Chr. (Südspanien)
Gebrannter Ton
73 x 54 cm
Museen der Stadt Miltenberg

Foto: Museen der Stadt Miltenberg

Die kugelbauchige Öl-Amphore wurde verscherbt im römischen Kastell Miltenberg-Altstadt aufgefunden. Ca. 160 n. Chr. verschoben die Römer die Grenzen ihres Reichs nach Osten in das Gebiet des heutigen Miltenbergs. Für rund 100 Jahre lag das Gebiet damit direkt an der Grenze. Zwei Kastelle sicherten den Endpunkt des Mainlimes und den Beginn des vorderen Limes.

Die Soldaten und Zivilisten brachten alle zivilisatorischen Errungenschaften des römischen Reichs mit, so auch Olivenöl. Die Amphore zeugt von den ausgedehnten Handelsbeziehungen der Römer. Hergestellt wurden Amphore und Öl in der spanischen Provinz Baetica. Olivenöl gehörte zu den Grundnahrungsmitteln der Antike, war Koch-, Brat- und Konservierungsmittel, fand Verwendung als Lampenöl, zur Körperreinigung, bei medizinischen und kultischen Handlungen. 

Auch nach der Römerzeit verschoben sich die Grenzen des Miltenberger Raumes immer wieder. Die Stadt gehörte ca. 600 Jahre zum Kurstaat Mainz. Zwischen 1803 und 1816 wechselten die Landesherren mehrfach, bis das Gebiet schlussendlich zum Königreich Bayern kam. 

Dass die Amphore zwischen den Mariendarstellungen im MAD präsentiert wird, kann auch als Grenzverschiebung wahrgenommen werden. Der Gedankensprung ist allerdings gar nicht so weit, wird doch Maria in der Lauretanischen Litanei als „vas spirituale“ (geistliches Gefäß) angerufen; von der Bedeutung des Olivenöls im liturgischen Gebrauch ganz zu schweigen.