Rauchtisch und Sessel

Hermann Amrhein
1935/1936
Holz, Metall, Papier, Kunststoff, Textil
178 x 44 x 47,5 cm (Tisch)
84 x 54 x 50 cm (Sessel)
Spessartmuseum Lohr a. Main

Hermann Amrhein (1901 – 1980) aus Lohr a. Main absolvierte eine Ausbildung zum Kunstschreiner bei der Schreinerei August Franz im nahen Sackenbach und bildete sich zum Holzbildhauer weiter. 1922 kam er das erste Mal mit Rudolf Steiners Weltanschauung, der Anthroposophie, in
Kontakt und begann sich damit zu beschäftigen. 

Kunst ist ein zentraler Bestand der Anthroposophie und wird unter anderem als ein vermittelndes Element zwischen der sinnlich erfahrbaren Welt und dem Übersinnlichen verstanden. Die Aufgabe eines Künstlers ist es, die Seele herauszuarbeiten, die einem Material innewohnt. Gleichzeitig soll das Kunstwerk mit lebendigen Gebärden in den Raum hineinwirken. Als Gebärde kann für Gebrauchsgegenstände wie Möbel auch das Halten und Tragen des menschlichen Körpers angesehen werden. Typisch für anthroposophisch inspirierte Kunst sind doppelt gebogene Flächen und auffallend wenige rechte Winkel, da diese das Entwickeln von Gebärden verhindern. 

Das Ensemble geht mit seinem Design somit gleich mehrfach über Grenzen: Es geht über die Grenzen des allgemeinen Geschmacks für Gebrauchsmöbel seiner Zeit hinaus. Zudem entstammt es einer Weltanschauung, nach der es als Kunstwerk Inspiration aus einer übersinnlichen,
göttlichen Welt in die reale Welt überträgt. 

In der Oberen Saline in Bad Kissingen trifft es auf barocke und historistische Formenwelten der originalen Einrichtung von Bismarcks Kurquartier.

Foto: Christa Schleicher