Motorradanzug für Damen aus Leder

bestehend aus Lederjacke, taillenhohe Lederhose, Motorradhaube
Zugset Nr.: 11/530/0
Näherei Stefan Arnold, Bamberg
Ende 1920er Jahre
Leder, Flanellstoff, Baumwolle
26 x 18 cm (Haube), 40 x 46 cm (Jacke), 40 x 89 cm (Hose)
Heimatmuseum Ebern

Foto: Steffen Schanz

Es gibt viele Dinge, die stellvertretend für das Grenzen überwinden und die daraus resultierende Freiheit stehen – Automobile zählen dazu und vielleicht noch stärker: Motorräder. Diese Zuschreibung und die Tatsache, dass eine Frau Mitte des vergangenen Jahrhunderts den präsentierten, schnittigen Motorradanzug trug und damit ein Stück Freiheit fand, waren Grund genug diese Objekte als Tauschobjekt bei Kunst geht fremd einzubringen.

Der Motorradanzug gehörte Auguste Karl aus Junkersdorf bei Ebern (1918–2002). Sie war Näherin und hat im ganzen Landkreis in den Häusern genäht, gestrickt und andere Handarbeiten verrichtet. Um zu ihrer Kundschaft zu gelangen, nutzte sie ihr Motorrad und trug dabei den ledernen Motorradanzug. 

Der Motorradanzug für Damen aus rotbraunem Leder besteht aus einer hüftlangen, mit fünf Messingknöpfen doppelt geknöpften Lederjacke sowie einer taillenhohen Lederhose, die an den oberen Waden durch eine Schnürung und an der Taille mit einem Gürtel fixiert wird. Der Anzug wird durch eine Motorradhaube komplettiert. Der Motorradanzug wurde in der Bamberger Lederwarenfabrik Stefan Arnold hergestellt. In einem zeitgenössischen Katalog wird die Jacke unter der Nummer 120 geführt. 

Im Spessartmuseum wird die Motorradkluft neben einem Gebärstuhl präsentiert, da Hebammen in den Dörfern zu den Ersten gehörten, die ein Motorrad fuhren. Sie benötigten es von Berufs wegen, um die Frauen in ihrem Distrikt zeitnah zu erreichen.