Marotte (Narrenzepter)

2. Hälfte 20. Jahrhundert
Holz, signiert NB
Länge 55 cm
Deutsches Fastnachtmuseum Kitzingen

Die hölzerne Marotte ist das Zepter eines Narren. Sie verkörpert die Narrenfigur wie kaum etwas anderes, denn in ihr bespiegelt der Narr sich selbst. Schon in der Bibel, Psalm 53, heißt es: „Der Narr spricht in seinem Herzen: Es gibt keinen Gott.“ 

Er ist also traditionell der Gottesleugner, der damit außerhalb der (christlichen) Gesellschaft steht und nur sich selbst sieht. Zudem steht die Marotte als Zeichen für die Herrschaft des Narren, die dieser zur Fastnachtszeit übernimmt. 

An seiner Kapuze, Gugel genannt, sind Eselsohren und Hahnenkamm angebracht: Der Esel steht für die geistliche Trägheit, der Hahn für Geilheit und Angriffslust, also für Todsünden. Die Glöckchen stehen für das hohle Getön, also das leere Geschwätz des Narren. Das nackte Hinterteil zeigt den Narren als jemanden, der mit der Kleiderordnung bricht und damit die menschliche Gesellschaftsordnung ignoriert und alle Regeln verlacht. Damit wird er zum Grenzgänger schlechthin. 

Der sympathische Narr setzt einen witzigen und frechen Kontrapunkt zu der eher behäbigen, von Funktionsgegenständen geprägten Umgebung in der Barockscheune in Volkach.

Foto: Carolin Christoph