Grenzstein „Kudurru“ des Marduknasir

Replik aus Kunstharz im Knauf-Museum Iphofen
Original aus schwarzem Kalkstein im British Museum in London
Original assyrokassitisch, 13.-10. Jh. v. Chr.
63 x 23 x 17 cm
Knauf-Museum Iphofen

Kudurri oder Grenzsteine wurden in Mesopotamien in der Zeit zwischen dem zweiten und der Mitte des ersten Jahrtausends vor Christus eingesetzt.  Mit ihnen kann eine Vielzahl an Funktionen in Verbindung gebracht werden. Die deutsche Übersetzung hebt besonders die Verwendung als Grenzmarkierung hervor. Wie der Kudurru des Marduknasir werden einige Exemplare zusätzlich als Kaufvertrag und Besitzurkunde, wie in diesem Fall über eine Agrarfläche, interpretiert. Durch die Nennung des Begünstigten – hier des königlichen Beamten Marduknasir – tritt der Aspekt der Kommemoration hinzu. Sein Grenzstein stellt zudem ein Dokument der Götterverehrung dar. Darauf lassen sowohl die Göttersymbole, u.a. Sonne, Vogel und Drache, als auch die große zentrale Göttergestalt schließen. Ihre entschiedene Haltung mit Pfeil und Bogen sowie die Inschrift „Der die Grenze für immer festlegt“ lassen vermuten, dass eine Grenzüberschreitung ernste Konsequenzen nach sich zog. 

Im Kontext von Pandemie und Krieg rücken heute die modernen Verwandten des Kudurru, d. h. bedrohlich wirkende und gewaltsam verteidigte räumliche und soziale Grenzen, wieder verstärkt ins Bewusstsein. In der Kunsthalle Schweinfurt findet sich der Grenzstein in einer Umgebung
wieder, die sich diesem Themenkomplex mit Fokus auf die Teilungsgeschichte Deutschlands wirkungsvoll aus künstlerischer Perspektive nähert.