„Tauwetter“

Erich Husemann
1980er Jahre
130 x 95 cm
Kreisgalerie im Alten Spital, Mellrichstadt
Sammlungen des Landkreises Rhön-Grabfeld

1928 wird Erich Husemann in Friedberg (Hessen) geboren. Nach dem Krieg lässt er sich in Frankfurt nieder. Diese Zeit ist geprägt durch die intensive Auseinandersetzung mit dem Werk Max Beckmanns. Seinen künstlerischen Durchbruch erfährt Husemann, als er in den 1960er Jahren den Wettbewerb für die Wandgestaltung des Frankfurter Hauptbahnhofs gewinnt. Daraufhin folgen weitere Großaufträge, auch einer bei Trappstadt im Grabfeld.

Mit dem Umzug aufs Land ändern sich bei Erich Husemann Stil und Themen. Unter dem Eindruck einer allgegenwärtigen Natur verwandelt sich seine Landschaftsdarstellung. Der Baum wird zu deren Mittelpunkt. Er wird zum Sinnbild der Landschaft, zum Sinnbild des Lebens überhaupt. Die Formen entfernen sich vom naturalistischen Vorbild und werden zu amorphen Organismen. Husemann nennt diese Bilder „Landschaftsmutationen“. In ihnen  hebt er die Grenzen zwischen Landschaft und menschlichem Körper auf. Die Oberfläche der Bäume wirkt wie Haut, wie Fell. Die sich ineinander verschlingenden Naturformen gleichen kopulierenden Körpern. Brüste, Phallussymbole und weibliche Körperöffnungen tauchen überall in der Landschaft auf. 

Das Gemälde wird im Kulturspeicher im Kontext des abstrahierten Landschaftsbildes des 20. und 21. Jahrhunderts gezeigt. Zugleich konfrontiert es den Siebdruck Husemanns aus der hauseigenen Sammlung, in dem das Thema der innerdeutschen Landesgrenze thematisiert wird

Foto: Rudolf Weinert