„Mauer I“

Joachim Berthold
1968
Bronze
43,5 x 75 x 21 cm
Museum im Kulturspeicher Würzburg

(c) Nachlass Joachim Berthold, Sabine Fordemann
Foto: Johannes Kiefer

Das Thema des Grenzüberschreitens ist in dieser Arbeit des Bildhauers Joachim Berthold ganz direkt visualisiert – als ein Hindurchgehen durch eine Mauer. Sechs Figuren durchwandern die schrundige Bronzewand. Ein Durchbruch in Höhe des Kopfes einer der durchgehenden Figuren verbindet Vorder- und Rückseite. Die Figuren sind nicht als Individuen gekennzeichnet und von unbestimmtem Geschlecht. Es ist sogar fraglich, ob es sich  wirklich um verschiedene Personen handelt oder ob die Bewegungssequenz einer einzelnen Figur gezeigt ist. 

Dies ist auch unbedeutend, da für Joachim Berthold jede Figur für die conditio humana generell steht. Je weiter die Figuren auf der diesseitigen Seite der Mauer angekommen sind, um so freier und aufrechter scheinen sie zu gehen, wie befreit von einer Last. Joachim Berthold hat diese Plastik als sein „Schlüsselwerk“ bezeichnet, in dem er das Verhältnis von Figur und Form, den Übergang von Relief zu Freiplastik behandelt hat. Zugleich hat er ein Sinnbild geschaffen: für Grenzen, die Menschen voneinander trennen und die es zu überwinden gilt. 

Im Museum Johanniskapelle in Gerolzhofen steht die moderne Skulptur in einem besonderen Spannungsfeld zu den spätgotischen Heiligenfiguren.