„Erinnerung an Sergej Paradschanow“

Michael Poladjan
2004
Assemblage
50 x 45 cm
MAD - Museum am Dom, Schenkung des Künstlers

Foto: Abteilung Kunst der Diözese Würzburg / Thomas Obermeier

Kunst geht über Grenzen, deckt politische oder weltanschauliche Eingrenzungen auf. Unfreiheiten, wie sie auch der an der Moskauer Kunstakademie ausgebildete Michael Poladjan (*1938 in Moskau) erfahren musste. Nach einem Arbeitsverbot durch das Sowjetregime emigrierte er  1977 nach Deutschland.

Mit „Erinnerung an Sergej Paradschanow“ hat er diesem ukrainisch-georgischen Regisseur, der jahrelang wegen seiner Filmkunst in sowjetischen Straflagern weggesperrt war, ein Denkmal gesetzt. Wie ein Ikonenbildnis inszeniert er das Porträt des Freundes, erweitert durch  beigefügte Objekte den Blickwinkel auf das leidvolle Schicksal dieses visionären Regisseurs und lässt seine Klage über das menschenverachtende Unrecht schließlich im Bild des Stacheldrahts kulminieren. Doch Poladjan beschreibt auch die feinfühlende Kreativität des  Filmemachers, die im Lager zu zerbrechen drohte. Er lässt authentische Anschriften auf Sackleinen, eine Postquittung, Münzen und Siegelstempel von einer Unterstützerin erzählen, die Paradschanow säckeweise Materialien in die Lager schickte, damit er daraus kleine Inszenierungen entwerfen konnte.

Im Barock- und Rokoko-Saal der Kreisgalerie Mellrichstadt erweist sich die höchst aktuelle Thematik des Kunstwerks im inhaltlichen und materiellen Wechselspiel mit den sakralen Objekten als spannungsreiches Gegenüber.