„Das Meerwunder“

Albrecht Dürer
1498
Papier/Kupferstich
27,4 x 21,1 cm
Museum Otto Schäfer

Foto: Museum Otto Schäfer, Inv.-Nr. D-6

Das zentrale Hauptmotiv in der rechten unteren Bildhälfte zeigt uns eine aufgrund des Haarschmucks vermutlich wohlhabende, entblößte Dame, die von einem wundersamen Mischwesen, halb zotteliger, bärtiger Mann, halb fischähnliches Geschöpf beim Baden entführt wurde. Mit Wehmut blickt sie über das Gewässer zurück zur anderen Uferseite, wo sich weitere badende Frauen eilig in Sicherheit bringen. Der vermeintliche Gemahl der Entführten sucht händeringend zu Hilfe zu kommen, doch zu spät. Das ungleiche Paar, das wie auf einer Sänfte liegend den Fluss überquert, ist bereits am anderen Ufer angekommen. Eine schäumende Bugwelle zeugt von der Geschwindigkeit des Geschehens. 

Das Gewässer mag als Grenze zwischen der vertrauten, aufgeräumten und bewährten Welt und dem ungewissen, unbekannten Neuland verstanden werden, gleichsam wie im Detail das Schiff am rechten Bildrand zu neuen Welten ins offene Meer aufbricht. Dies sind Gegenüberstellungen wie Dürer sie uns auch mit den weißen Wolken und dem dunklen Himmel oder mit dem Turm in der Höhe und dem Gras am Boden vor Augen führt. 

Das klassische Motiv „Die Schöne und das Biest“ findet im Knauf-Museum Iphofen zwischen all den anderen mythologischen Themen eine wunderbar geeignete Ausstellungsumgebung.